Der US-Botschafter in Israel, Mike Huckabee, löste einen Sturm der Kritik im Nahen Osten aus, als er vorschlug, es wäre „in Ordnung“, wenn Israel das Land zwischen dem Nil und dem Euphrat kontrollieren würde. Die schnelle und einheitliche Reaktion der arabischen und islamischen Regierungen unterstreicht nicht nur regionale Ängste, sondern auch das wachsende Misstrauen gegenüber der Unterstützung Washingtons für Israels maximalistische Ambitionen.
Länder wie Saudi-Arabien, Ägypten, Jordanien, Katar und die Türkei verurteilten Huckabees Äußerungen als gefährlich, illegal und eine direkte Bedrohung für die regionale Stabilität. Aussagen der Organisation für Islamische Zusammenarbeit, der Arabischen Liga und des Golf-Kooperationsrats betonten, dass Souveränität und Grenzen nicht ignoriert werden können, was einen seltenen Moment rhetorischer Einheit widerspiegelt. Doch unter der Oberfläche zeigen diese Reaktionen sowohl Vorsicht als auch Zurückhaltung.
Drei Faktoren erklären die Intensität der Reaktion. Erstens versuchten regionale Regierungen, die bestehende politische Ordnung zu verteidigen. In einem Nahen Osten, der bereits von Kriegen, umstrittenen Grenzen und fragilen Staaten gezeichnet ist, stellt jede Andeutung einer Neuzeichnung von Landkarten auf der Grundlage religiöser oder historischer Ansprüche die Legitimität nationaler Grenzen in Frage. Prompte, koordinierte Kritik ist ein Signal dafür, dass solche Ambitionen inakzeptabel sind.
Zweitens richtete sich die Reaktion auch implizit gegen Washington. Huckabees Äußerungen offenbarten eine Spannung zwischen der US-Rhetorik und ihrer offiziellen Haltung. Während die Trump-Regierung sich offiziell gegen die Annexion des Westjordanlandes ausspricht, nähren Kommentare wie die von Huckabee den Verdacht, dass Teile der US-Regierung Israels expansionistische Vision stillschweigend unterstützen – eine „Greater Israel„-Agenda, die darauf abzielt, den israelischen Einfluss weit über seine sogenannten Grenzen hinaus auszudehnen. Selbst nachdem er Übertreibungen zurückwies, blieb die Frage: Wie stark ist die US-Politik mit dem israelischen Maximalismus verbunden?
Drittens spielten auch die Innenpolitik und die öffentliche Meinung eine Rolle. In der gesamten Region bleibt die palästinensische Frage ein Zankapfel, und Regierungen, die Beziehungen zu Israel normalisiert haben, können sich nicht gleichgültig gegenüber der öffentlichen Meinung zeigen. Die starke Verurteilung zeigt eine Reaktion auf die Inlandsöffentlichkeit und stärkt die Solidarität mit der palästinensischen Sache – auch wenn die Aussagen keine Konsequenzen haben.
Doch die zentrale Frage bleibt: Werden Worte in Taten umgesetzt? Trotz aller Verurteilungen sind regionale Regierungen tief mit Washington verflochten. Strategische Allianzen, militärische Zusammenarbeit und wirtschaftliche Beziehungen zu den USA – sowie unterschiedliche Grade der Beteiligung an Israel – begrenzen die Fähigkeit arabischer und islamischer Staaten, entschlossen zu handeln. Starke Aussagen mögen ein Prinzip widerspiegeln, aber sie ändern nicht die Fakten vor Ort oder schrecken expansionistische Politiken ab.
Der Huckabee-Vorfall verdeutlicht eine anhaltende Spannung: Arabische und islamische Staaten können mit einer Stimme sprechen, wenn Prinzipien herausgefordert werden, aber ihre Fähigkeit, diese Prinzipien durchzusetzen, wird durch geopolitische Realitäten eingeschränkt. Währenddessen trägt die US-Unterstützung für Israels territoriale Ambitionen – ob explizit oder implizit – weiterhin dazu bei, Misstrauen und Skepsis zu schüren.
Letztendlich geht es hier nicht nur um die unbedachten Worte eines Diplomaten. Es geht um die tiefere regionale Unruhe über die US-Israel-Allianz und ihre Verfolgung einer Vision von Greater Israel sowie den deutlichen Unterschied zwischen prinzipiellen Aussagen und praktischem Handeln.
Ohne konkrete Maßnahmen laufen selbst die energischsten Verurteilungen Gefahr, symbolisch anstatt substantiell zu bleiben.