Bedrohung für UN-Programme: Budgetkrise gefährdet Rettungsaktionen
Die Mitgliedsstaaten haben bis zum 9. Mai nur 1,8 Milliarden US-Dollar des regulären Budgets der UN für 2025 gezahlt. Einschließlich unbezahlter Beiträge aus früheren Jahren belaufen sich die insgesamt ausstehenden Beiträge auf etwa 2,4 Milliarden US-Dollar bis zum 30. April.
Die Vereinigten Staaten sind mit rund 1,5 Milliarden US-Dollar der größte Schuldner, da die Trump-Regierung Gelder zurückhält, um aus ihrer Sicht unnötige Ausgaben zu kürzen.
Andere große Beitragszahler mit ausstehenden Beiträgen sind China (597 Millionen US-Dollar), Russland (72 Millionen US-Dollar), Saudi-Arabien (42 Millionen US-Dollar), Mexiko (38 Millionen US-Dollar) und Venezuela (38 Millionen US-Dollar). Weitere 137 Millionen US-Dollar müssen noch von anderen Mitgliedsstaaten gezahlt werden.
Das separate Budget der UN für Friedensmissionen steht vor einer ähnlichen Krise, mit 2,7 Milliarden US-Dollar an ausstehenden Beiträgen bis zum 30. April.
Inmitten der finanziellen Herausforderungen startete Generalsekretär António Guterres im März die Initiative UN80, um die Effizienz zu verbessern, die Operationen zu optimieren und die Kosten zu senken – einschließlich einer möglichen 20-prozentigen Reduzierung des Personals durch die Beseitigung von Duplikaten.
Frauen, Gesundheit, Unterstützung für Flüchtlinge in Gefahr
Die Situation ist auch bei den UN-Agenturen und -Programmen besorgniserregend, die über eigene Budgets und Finanzierungskanäle verfügen.
Die UN-Agentur für sexuelle und reproduktive Gesundheit, UNFPA, hat beispielsweise davor gewarnt, dass Frauen und Mädchen in Krisengebieten wie der Demokratischen Republik Kongo (DRC), Haiti, Sudan und Afghanistan bereits unter schwindender Unterstützung leiden.
Kürzungen haben die Möglichkeit eingeschränkt, Hebammen einzustellen, lebenswichtige Medikamente bereitzustellen, Gesundheitsteams zu entsenden und sichere Räume für Überlebende sexueller Gewalt bereitzustellen.
In Mosambik sind fast 750.000 Binnenvertriebene und Flüchtlinge dringend auf Schutz angewiesen, aber das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) warnt davor, dass es möglicherweise wesentliche Dienste wie Gesundheitsversorgung, Bildung und Unterstützung für Überlebende von geschlechtsspezifischer Gewalt einstellen muss, da nur ein Drittel seines Finanzierungsappells erfüllt ist.
Auch HIV/AIDS-Programme sind gefährdet. In Tadschikistan berichtet die UNAIDS-Landesdirektorin Aziza Hamidova, dass 60 Prozent der HIV-Programmunterstützung gefährdet sind. Gemeindegesundheitszentren haben bereits geschlossen, die Außenarbeit wurde reduziert und der Zugang zu PrEP-Tests und Beratung ist stark zurückgegangen.
Schrumpfende Mittel für Krisenreaktion
Das Amt für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) - das die Reaktion der UN auf Krisen leitet - schlägt Alarm wegen der sich ausweitenden Auswirkungen von Finanzierungslücken.
In Sudan wurden bislang nur 13 Prozent der benötigten 4,2 Milliarden US-Dollar für 2025 erhalten, was dazu führte, dass 250.000 Kinder nicht zur Schule gehen konnten. In der DRC sind die Fälle von geschlechtsbezogener Gewalt um 38 Prozent gestiegen, aber Programme werden eingestellt. In Haiti drohen die Bemühungen zur Bekämpfung von Cholera zusammenzubrechen. Gleichzeitig wurden nur 25 Prozent des humanitären Appells der Ukraine für 2025 finanziert, was kritische Dienste gefährdet.
Der UN-Notfallkoordinator und Leiter von OCHA, Tom Fletcher, hat bereits Personalkürzungen angekündigt und einige Länderprogramme zurückgefahren.
Team
Rike – Diplom-Volkswirtin mit einem ausgeprägten Interesse an internationalen Wirtschaftsbeziehungen und gesellschaftlichen Entwicklungen.
Christian – Diplom-Finanzwirt (FH) mit fundierter Erfahrung im öffentlichen Sektor und einem Fokus auf finanzpolitische Analysen.
Obwohl wir in vielen Fragen unterschiedliche Perspektiven einnehmen, teilen wir die Überzeugung, dass ein umfassendes Verständnis globaler Ereignisse nur durch die Betrachtung vielfältiger Standpunkte möglich ist.

