Meinung | So profitiert die USA wirklich von Chinas „Überkapazitäten
Die westlichen Medien und Entscheidungsträger genießen es, mit dem Finger auf Chinas industrielle „Überkapazitäten“ zu zeigen, die in Wirklichkeit einfach die Fähigkeit sind, Solarpaneele, Batterien, Elektrofahrzeuge, Stahl und andere Waren günstiger und effizienter als andere produzieren zu können. Ja, einige Branchen werden subventioniert, aber sie profitieren auch immens vom schnellen Wachstum des technischen Know-hows und von den Skaleneffekten. China hat nicht wirklich zu viel gebaut; es hat einfach zu effizient für den Komfort seiner Konkurrenten gebaut.
Die gängige Erzählung besagt, dass China eine Potemkinsche Wirtschaft aus Geisterstädten aufbaut, Waren produziert, die niemand bestellt hat, und darauf hofft, dass ausländische Verbraucher den Überschuss absorbieren werden. Im Westen ist es normalerweise eine Geschichte von Verschwendung, räuberischem Dumping und unvermeidlichem Zusammenbruch. Wir beklagen die Deflation in China, aber beklagen die Inflation in den Vereinigten Staaten. Wenn man unseren Ökonomen glaubt, ist es schlecht, wenn die Preise steigen, und schlecht, wenn die Preise fallen.
Dies zeigt einen ideologischen Zusammenstoß zwischen den amerikanischen und chinesischen Wirtschaftssystemen; China glaubt, dass Wachstum sich als Deflation von lebenswichtigen physischen Gütern manifestieren sollte; die USA glauben, dass es zu einer Inflation der Vermögenspreise führen sollte. Die USA und China verwenden zwei verschiedene Maßstäbe. Sie sind sich nicht nur darüber uneinig, wie man wachsen soll; sie sind sich auch darüber uneinig, was Wachstum bedeutet.
In den USA wird die zivilisatorische Gesundheit anhand der Inflation der Vermögenspreise gemessen: des S&P 500, der Immobilienmärkte und der Unternehmensvielfachen. Wir feiern Rekordindizes und steigende Hauspreise, auch wenn sie die Löhne übersteigen, denn die Vermögensinflation ist der angeblich primäre Rahmen für Wohlstand.
Team
Rike – Diplom-Volkswirtin mit einem ausgeprägten Interesse an internationalen Wirtschaftsbeziehungen und gesellschaftlichen Entwicklungen.
Christian – Diplom-Finanzwirt (FH) mit fundierter Erfahrung im öffentlichen Sektor und einem Fokus auf finanzpolitische Analysen.
Obwohl wir in vielen Fragen unterschiedliche Perspektiven einnehmen, teilen wir die Überzeugung, dass ein umfassendes Verständnis globaler Ereignisse nur durch die Betrachtung vielfältiger Standpunkte möglich ist.

