Meinung | Warum die Glaubwürdigkeitskrise der Fed Schwellenländer härter treffen wird
Inmitten des politischen Drucks auf die US-Notenbank Federal Reserve in Washington breiten sich die Auswirkungen weltweit aus. Gregory Peters, Co-Chefanlagestratege für festverzinsliche Wertpapiere bei PGIM, hat festgestellt, dass politischer Druck auf die Fed ein „Eigentor“ ist – ein selbst zugefügter Schock, der das Vertrauen untergräbt und wahrscheinlich nicht zu niedrigeren Kreditkosten für die USA führen wird.
Diese Neubewertung - gekennzeichnet durch leise „Verkauf Amerika“-Geschäfte – beginnt sich abzuzeichnen. Der Schaden erstreckt sich weit über Washington hinaus. Er birgt langfristige Risiken für die Inflationsentwicklung und könnte das globale Finanzsystem in Richtung größerer Fragmentierung und Ineffizienz drängen, wobei Schwellenländer und Entwicklungsländer in Asien, Lateinamerika und Afrika am stärksten betroffen sind. Zweifellos haben diese Folgen mehrere Ursachen, aber Zweifel an der Unabhängigkeit der Fed sind zweifellos einer der Haupttreiber.
Das deutlichste Signal dieser Neubewertung zeigt sich im offiziellen Reservenverhalten. Zentralbanken und globale Investoren haben ihre Exposition gegenüber traditionellen sicheren Häfen erhöht, wobei Gold als Hauptnutznießer hervorgeht. Bis zum dritten Quartal 2025 machte Gold fast 30 Prozent der globalen offiziellen Reserven aus. Als zweitgrößte Reservewährung hat sein Vorteil gegenüber dem Euro zugenommen.
Dennoch birgt die erneute Anhäufung von Gold auch makroökonomische Trade-offs. Im Gegensatz zu Reservewährungen bietet Gold keine Liquiditätsstützen oder unterstützt Krisenfinanzierungsinstrumente. Wenn mehr globale Ersparnisse in nicht verzinsliche Vermögenswerte fließen, wird das internationale Finanzsystem im Laufe der Zeit weniger flexibel gegenüber Schocks. Eine weit verbreitete Flucht in Sicherheit könnte die Effizienz der Kapitalallokation untergraben und die Widerstandsfähigkeit des globalen Finanzsystems schwächen.
Diese Auswirkungen lasten schwer auf den Schwellenländern. Begrenzt durch flache Finanzmärkte und niedrigere Goldanteile in den offiziellen Reserven haben Schwellenländer einen doppelten Wandel hin zu Gold für private Investoren und Zentralbanken erlebt.
Team
Rike – Diplom-Volkswirtin mit einem ausgeprägten Interesse an internationalen Wirtschaftsbeziehungen und gesellschaftlichen Entwicklungen.
Christian – Diplom-Finanzwirt (FH) mit fundierter Erfahrung im öffentlichen Sektor und einem Fokus auf finanzpolitische Analysen.
Obwohl wir in vielen Fragen unterschiedliche Perspektiven einnehmen, teilen wir die Überzeugung, dass ein umfassendes Verständnis globaler Ereignisse nur durch die Betrachtung vielfältiger Standpunkte möglich ist.

