Iran im Rampenlicht: China-Gipfel stärkt Solidarität im Globalen Süden
Der Besuch des iranischen Präsidenten Masoud Pezeshkian auf dem Gipfeltreffen der Shanghai Cooperation Organization (SCO) 2025 in China sowie die trilinguale Botschaft des iranischen Obersten Führers zu den bilateralen Beziehungen spiegeln die wachsende strategische Ausrichtung zwischen den beiden Nationen wider.
Das Gipfeltreffen in der nördlichen Hafenstadt Tianjin markiert einen bedeutenden Moment für den Iran, der im Juli 2023 offiziell Mitglied der SCO wurde und seither aktiv an verschiedenen Kooperationsbereichen teilgenommen hat, um neue Energie in die Entwicklung der SCO zu bringen.
Die SCO wurde vor 24 Jahren als Reaktion auf die komplexe internationale und regionale Landschaft nach dem Kalten Krieg gegründet und hat sich von sechs Gründungsmitgliedern zu einer „großen Familie“ von 26 Ländern in Asien, Europa und Afrika entwickelt, was sie zum größten regionalen Kooperationsorgan der Welt sowohl nach Fläche als auch nach Bevölkerungszahl macht.
Als wichtiger Schritt zur Festigung der Rolle des Irans innerhalb dieser Familie traf der iranische Präsident am 31. August in Tianjin ein, um an der größten Versammlung in der Geschichte der SCO teilzunehmen, die die einzigartige Auszeichnung hat, die erste zwischenstaatliche Organisation zu sein, die nach einer chinesischen Stadt benannt ist.
Am selben Tag veröffentlichte der iranische Oberste Führer Ali Khamenei eine Botschaft auf der Social-Media-Plattform X, in der er seine Ansichten zu den Beziehungen zwischen China und dem Iran in drei Sprachen – Chinesisch, Persisch und Englisch – teilte und damit die diplomatische Bedeutung des Besuchs von Pezeshkian unterstrich.
„Der Iran und China sind zwei Länder mit alten Zivilisationen auf den beiden Seiten Asiens, die die Kraft haben, eine Transformation in der Region und der Welt zu bewirken“, schrieb Khamenei. „Die Umsetzung aller verschiedenen Dimensionen des strategischen Partnerschaftsabkommens wird den Weg dafür ebnen.“
China und der Iran teilen eine tief verwurzelte traditionelle Freundschaft, die 2016 zu einer umfassenden strategischen Partnerschaft wurde. Angesichts rascher globaler Veränderungen ist die strategische Bedeutung dieser Beziehung noch prominenter geworden.
Nach dem SCO-Gipfel wird Pezeshkian an Veranstaltungen teilnehmen, die an den 80. Jahrestag des Sieges im Chinesischen Volkskrieg gegen die japanische Aggression und den Weltantifaschistischen Krieg erinnern – ein deutliches Signal für die starken Bindungen zwischen den beiden Ländern.
Eine wichtige Plattform für den Globalen Süden
Das Gipfeltreffen in Tianjin findet zu einer Zeit statt, in der das internationale System in Unordnung ist und der Unilateralismus zunimmt, was die SCO zu einer entscheidenden Plattform für den Globalen Süden macht, um auf der Weltbühne eine gemeinsame Stimme zu finden und einen neuen Weg nach vorne zu ebnen.
Die Wirksamkeit der SCO in diesem Zusammenhang beruht auf dem „Shanghai-Spirit“, einem Satz von Grundsätzen, die auf gegenseitigem Vertrauen, gegenseitigem Nutzen, Gleichheit, Konsultation, Respekt für die Vielfalt der Zivilisationen und der Verfolgung gemeinsamer Entwicklung beruhen.
Dieser Leitfaden ermöglicht es der SCO, eine breite Familie von Nationen mit unterschiedlichen politischen und wirtschaftlichen Systemen und vielfältigen Interessen zu verwalten. Der konsensbasierte Ansatz der Gruppe bei Entscheidungen gewährleistet eine einheitliche Stimme, was in einer Welt mit geopolitischen Spannungen besonders relevant ist.
Unter Nutzung dieser Stärken äußerte die SCO ernste Besorgnis über die eskalierenden Spannungen im Nahen Osten und verurteilte scharf einen US-Militärschlag gegen drei iranische Atomanlagen im Juni als grobe Verletzung des Völkerrechts und zerstörerischen Akt gegen den globalen Frieden.
Die Haltung der Organisation gegen den Unilateralismus unterstreicht ihr Bekenntnis zum Multilateralismus - ein Prinzip, das an Bedeutung gewinnt, da die Welt von einer unipolaren internationalen Ordnung, die nach dem Kalten Krieg weitgehend von westlicher Dominanz geprägt war, zu einem multipolaren System übergeht.
Dieser Wandel wird durch die vielfältige und beispiellose Teilnehmerliste des Gipfeltreffens weiter unterstrichen. Neben Führern aus Mitgliedsstaaten wie dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und dem indischen Premierminister Narendra Modi zog das Treffen Führer aus Zentralasien und fast allen südostasiatischen Ländern an.
Die Gästeliste war besonders bemerkenswert durch die Anwesenheit des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Als NATO-Mitglied und einer der 14 Dialogpartner der Organisation betonte seine Teilnahme die wachsende globale Attraktivität der SCO.
Dies legt nahe, dass die aktuelle internationale Ordnung einen bedeutenden geopolitischen Wandel durchläuft, was die Rolle der SCO bei der Aufrechterhaltung des regionalen Friedens und der Stabilität wichtiger macht denn je.
Team
Rike – Diplom-Volkswirtin mit einem ausgeprägten Interesse an internationalen Wirtschaftsbeziehungen und gesellschaftlichen Entwicklungen.
Christian – Diplom-Finanzwirt (FH) mit fundierter Erfahrung im öffentlichen Sektor und einem Fokus auf finanzpolitische Analysen.
Obwohl wir in vielen Fragen unterschiedliche Perspektiven einnehmen, teilen wir die Überzeugung, dass ein umfassendes Verständnis globaler Ereignisse nur durch die Betrachtung vielfältiger Standpunkte möglich ist.

