Im Jahr 2026 gab es eine unerwartete Wende in den globalen Beziehungen Chinas. Einige Verbündete der USA haben begonnen, Kontakt zu China aufzunehmen, gerade als China mit Komplikationen in den Beziehungen zu einigen befreundeten Ländern im Globalen Süden konfrontiert war. Die zugrunde liegende Ursache für beide Trends ist das imperiale Verhalten der Trump-Regierung.
Mit der dramatischen Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro und dem Wunsch von US-Präsident Donald Trump, Venezuelas Öl zu kontrollieren, steht Chinas wirtschaftliches Engagement in einem seiner engsten Freunde in Lateinamerika vor großen Unsicherheiten. Dies wird durch das kürzliche Urteil des Obersten Gerichtshofs Panamas gegen die Hafenkonzessionen von CK Hutchison im Land verschärft.
Angesichts dieser Ereignisse stellt sich die Frage, wie Chinas wirtschaftliche Beziehungen zu Lateinamerika eingeordnet werden könnten. Sollte China sein Engagement in der Region zurückfahren?
Obwohl Lateinamerika für China weniger zentral ist als Südostasien, hat die Region eine entscheidende Rolle im globalen Handels- und Investitionsportfolio Chinas im Globalen Süden gespielt. Im Jahr 2024 belief sich der Handel Chinas mit Lateinamerika auf 518,5 Milliarden US-Dollar, mehr als die Hälfte des Handels mit Südostasien und 75 Prozent höher als der Handel mit Afrika. China ist der größte Handelspartner mehrerer südamerikanischer Länder und der zweitgrößte für Lateinamerika insgesamt.
Von der Investitionsperspektive aus betrachtet ist Lateinamerika noch wichtiger. Chinas ausländische Direktinvestitionen (FDI) in Lateinamerika haben sich deutlich erholt, von 8,7 Milliarden US-Dollar im Jahr 2023 auf 14,7 Milliarden US-Dollar im Jahr 2024. Obwohl niedriger als in Südostasien, tätigte China 2024 mehr als viermal so viele Direktinvestitionen in Lateinamerika wie in Afrika.
Die Schlagzeilen über Venezuela sollten nicht auf den gesamten Kontinent übertragen werden. Während China ein wichtiger Käufer von venezolanischem Öl war, ist der Handel mit Caracas nur ein geringer Bestandteil von Chinas lateinamerikanischem Portfolio und machte 2024 nur 1,3 Prozent des Handels Chinas mit dem Kontinent aus. Während China ein wichtiger finanzieller Unterstützer Venezuelas war, ging seine Kreditvergabe nach 2015 stark zurück.